Herkunft
Eine Jugend in Kreuzberg und der Weg in die Küche
Kurz gesagt
Tim Raue wächst im Wrangelkiez auf, zieht mit einer Jugendgang durch die Straßen und findet in einer Lehrküche im Grunewald seine Rettung.
Berlin, 31. März 1974. In der geteilten Stadt kommt Tim Raue zur Welt[1]. Seine Eltern trennen sich, und er wächst bei seiner Mutter auf. Das Geld ist knapp. Zuhause ist der Wrangelkiez in Kreuzberg, ein Viertel, das damals rau und laut ist[2].
Die Straße als Schule
Als Jugendlicher schließt er sich einer Gang an, den 36 Boys. Die Gruppe ist bunt gemischt, und Raue ist ihr einziges deutsches Mitglied[2]. Es geht um kleine Diebstähle, um Prügeleien, um Ansehen auf der Straße[2]. In elf Jahren wechselt er achtmal die Schule[2]. Eine gute Zukunft sieht anders aus.
Er möchte gern das Abitur machen. Doch die Umstände in der Familie lassen das nicht zu[2]. Nach der Realschule gibt ihm ein Lehrer einen Rat, der sein Leben verändert. Er solle etwas Kreatives machen, vielleicht eine Kochlehre[2].
Die Lehre im Grunewald
Mit 17 Jahren beginnt Raue seine Ausbildung[1]. Er lernt im Chalet Suisse im Berliner Grunewald und im Restaurant Auerbach[1]. Der Grunewald ist eine andere Welt als Kreuzberg. Villen statt Hinterhöfe, feine Gäste statt Straßenkämpfe.
Das erste Lehrjahr ist hart. Raue erzählt, dass er beinahe aufgegeben hätte[2]. Doch im Chalet Suisse lernt er 1992 auch Marie-Anne kennen[2]. Sie wird später seine Partnerin im Beruf. Er sagt, dass diese Begegnung ihn von der Kriminalität weggeführt hat[2].
Hunger nach mehr
Die Erfahrungen der Jugend prägen ihn. In einem Interview mit dem Stern, über das die Tageskarte 2017 berichtet, spricht er von den harten Zeiten, die ihn geformt haben[3]. Er wollte nie wieder in der Gosse landen[3]. Diese Angst wird zu seinem Antrieb.
Und dieser Antrieb ist enorm. Nur wenige Jahre nach der Lehre steht er zum ersten Mal als Küchenchef am Pass. Mit 23 Jahren übernimmt er die Küche des Rosenbaum in Berlin[1]. Der Junge aus dem Wrangelkiez ist auf dem Weg nach oben.
Später wird er seine Geschichte selbst aufschreiben. Eines seiner Bücher trägt den Titel Ich weiß, was Hunger ist[1]. Ein anderes heißt My Way, im Untertitel: Von der Gosse zu den Sternen[2]. Besser kann man diesen Weg kaum zusammenfassen.
Was ihn von vielen anderen Spitzenköchen unterscheidet, ist genau diese Herkunft. Er kommt nicht aus einer Hoteliersfamilie und nicht aus einem Gasthof auf dem Land. Er kommt von der Straße[2]. Und er hat nie aufgehört, das zu erzählen.
Quellen
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