In diesem Artikel
- Warum ein Restaurant nicht wie ein Laden oder ein Büro rechnet
- Ein Betriebstag, drei Zeitfenster
- Berechnen Sie Ihren eigenen Eigenverbrauch und Ihre Amortisation
- Was den Rest Ihrer Amortisation bestimmt
- Ihr Aktionsplan für das Gespräch mit Ihrem Installateur
- Fazit: nicht das Dach entscheidet, sondern Ihre Öffnungszeiten
Was über die Amortisationszeit einer Solaranlage auf einem Restaurant entscheidet, ist weder das Dach noch die Modulanzahl — es ist, in welchen Stunden Ihres Betriebstags die Anlage tatsächlich etwas einbringt und in welchen Stunden sie ins Leere produziert. Ein Installateur rechnet ein Angebot immer nach demselben Muster: Modulanzahl × durchschnittliche Sonneneinstrahlung × aktueller Strompreis. Was diese Rechnung nie zeigt: Fast überall in Europa liegt die Einspeisevergütung inzwischen weit unter dem Preis, den Sie selbst für Strom aus dem Netz zahlen. Entscheidend für den Euro-Wert eines Solarmoduls ist deshalb nicht, was es produziert — sondern was Ihre Küche davon tatsächlich verbraucht, während es produziert.
Ein mittagsorientiertes Restaurant fängt den Mittagspeak der Sonne direkt in der eigenen Küche auf. Ein reiner Abendbetrieb sieht seine eigene Lastspitze — die Dunstabzugshaube, die Kombidämpfer, die Kühlzelle, die nach jedem geöffneten Tür wieder nachziehen muss — erst Stunden auftauchen, nachdem die Module fast nichts mehr produzieren. Gleiches Dach, gleiche Modulanzahl, gleiches Angebot, eine völlig unterschiedliche Amortisationszeit.
Warum ein Restaurant nicht wie ein Laden oder ein Büro rechnet
Solarrechner sind für den Durchschnittsbetrieb gebaut, und der Durchschnittsbetrieb ist ein Laden oder ein Büro: geöffnet von 9 bis 18 Uhr, mit einer Last, die relativ flach über den Tag verteilt ist und fast vollständig ins Solarfenster fällt. Für dieses Profil gilt fast immer: mehr Module bedeuten mehr Ersparnis, weil praktisch jede produzierte Kilowattstunde innerhalb derselben Stunden verbraucht wird.
Ein Restaurant hat keine flache Last — es hat zwei Spitzen und einen Sockel. Der Sockel ist die rund um die Uhr laufende Kühlung: Kühlzellen, Tiefkühler, Getränkekühlschränke. Untersuchungen zum Stromverbrauch professioneller Küchen verorten die Kühlung meist irgendwo zwischen einem Fünftel und knapp der Hälfte des gesamten Küchenstromverbrauchs — je nachdem, ob nur die Küchengeräte oder das ganze Gebäude gemessen wird. In jedem Fall ist es der größte durchgehend laufende Posten. Diesen Sockel fängt die Sonne unabhängig vom Servicemodell gleich gut auf — Kühlung kümmert sich nicht um die Uhrzeit.
Die beiden Spitzen sind eine andere Geschichte. Die Mittagsspitze — grob 12 bis 14:30 Uhr — liegt mitten in dem Fenster, in dem die meisten europäischen Solaranlagen ihre höchste Leistung erreichen. Die Abendspitze — grob 18 bis 22 Uhr — beginnt erst, wenn die Produktion schon abnimmt, und liegt in Spätherbst und Winter größtenteils nach Sonnenuntergang. Genau dieser Unterschied — und sonst nichts auf dem Dach — zieht die Amortisation eines ansonsten identischen Mittags- und eines Abendbetriebs auseinander.
So sieht das je nach Servicemodell konkret aus — danach rechnen Sie es unten mit Ihren eigenen Zahlen durch.
Produktionskurve gegenüber Küchenlast, nach Servicemodell
Illustrative Tagesform — die goldene Kurve ist die Solarproduktion, jede Linie darunter ist die Küchenlast für dieses Servicemodell
Ein Mittagsbetrieb liegt größtenteils unter der Produktionskurve; ein Abendbetrieb liegt größtenteils daneben
Ein Betriebstag, drei Zeitfenster
1. Die Küche erwacht, während die Sonne hochfährt
Vormittagsvorbereitung — 8:00 bis 11:00 Uhr
Die Module kommen gegen 7 bis 8 Uhr langsam in Gang — genau dann, wenn die erste Schicht die Küche betritt: Fonds werden angesetzt, Gemüse geschnitten, der Ofen für den Mittagsservice vorgeheizt. Die Überschneidung ist noch bescheiden — die Produktion liegt erst bei rund einem Drittel ihres Höchstwerts —, aber die Richtung stimmt bereits: Beide bauen im selben Tempo auf. Dieses Fenster braucht in Ihrer Planung keine eigene Aufmerksamkeit; es ist das Aufwärmen für das Fenster, das wirklich zählt.
2. Die besten Euro, die Ihre Anlage je verdienen wird
Mittagsspitze — 12:00 bis 14:30 Uhr
Das ist das Fenster, in dem beide Kurven gleichzeitig ihr Maximum erreichen. Die Module liefern die höchste Leistung des Tages, und ein Mittagsbetrieb erreicht genau in diesem Moment seine eigene Spitze: der Ofen voll, die Dunstabzugshaube auf Höchstleistung, zwanzig Teller gleichzeitig unter der Wärmelampe. Jede hier produzierte Kilowattstunde wird binnen Minuten verbraucht — kein Netz, keine Einspeisung, kein Tarif unter dem, was Sie sonst zahlen würden. Für einen Mittags- oder Ganztagsbetrieb trägt dieses Fenster das gesamte Geschäftsmodell — wer es verpasst, verpasst auch den Rest der Geschichte.
3. Das Fenster, das über die Amortisation eines Abendbetriebs wirklich entscheidet
Abendservice — 18:00 bis 22:00 Uhr
Im Sommer überschneidet sich dieses Fenster noch teilweise mit der Spätnachmittagsproduktion; in Herbst und Winter ist die Sonne dann längst untergegangen und die Module produzieren gar nichts mehr. Und genau hier liegt die Spitze eines Abendbetriebs: die Dunstabzugshaube auf Volllast, die Kombidämpfer im Dauereinsatz, die Kühlzelle, die nach jeder geöffneten Tür in eine warme Küche wieder nachziehen muss. Für ein rein abendorientiertes Restaurant entscheidet dieses Fenster, ob sich die Anlage in acht oder in fünfzehn Jahren amortisiert — nicht das Dach, nicht die Modulanzahl, dieses Fenster.
Eigenverbrauch lohnt sich immer mehr als Einspeisung
Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart Ihnen den vollen Endkundenpreis. Was Sie einspeisen, wird nur zu einem Bruchteil davon vergütet — und dieser Bruchteil schrumpft weiter
Vier Beispiele, Stand 2026 — fragen Sie Ihren Netzbetreiber oder Lieferanten nach dem aktuellen Tarif, denn diese Zahlen ändern sich schnell und variieren je nach Vertrag:
Niederlande (ab 2027)
Die Saldierungsregelung (salderingsregeling) endet am 1. Januar 2027 auf einen Schlag — ohne stufenweisen Abbau. Lieferanten müssen mindestens die Hälfte ihres reinen Liefertarifs zahlen, was in der Praxis oft deutlich weniger als die Hälfte dessen ist, was auf der Rechnung tatsächlich steht.
Deutschland
Der EEG-Satz für kleine Dachanlagen (bis 10 kWp) sinkt seit 2024 alle sechs Monate weiter — was heute gilt, gilt in einem Jahr nicht mehr.
Frankreich
Einer der wenigen EU-Märkte mit einem vergleichsweise günstigen regulierten Einspeisetarif — prüfen Sie den aktuellen Satz über Ihren eigenen Vertrag.
Flandern (Belgien)
Seit der Umstellung auf den digitalen Zähler gibt es keine staatlich garantierte Vergütung mehr. Was Sie erhalten, hängt vollständig vom Energielieferanten ab — in der Praxis oft nur wenige Cent pro kWh auf Großhandelsniveau oder gar nichts.
In allen vier Märkten lohnt sich Eigenverbrauch mehr als Einspeisung — nur die Größe der Lücke unterscheidet sich
Berechnen Sie Ihren eigenen Eigenverbrauch und Ihre Amortisation
Keine der obigen Zahlen ist ein Versprechen für Ihr eigenes Restaurant — sie illustrieren nur die Form. Was sich vorhersagen lässt, ist die Rechnung: Geben Sie Ihr eigenes Servicemodell, Ihre Anlagengröße, Ihre Investition und Ihre Strompreise ein, und Sie erhalten einen geschätzten Eigenverbrauch und eine geschätzte Amortisationszeit. Der Rechner geht von einem durchschnittlichen Jahresertrag von 950 kWh pro kWp aus — ein vernünftiger Mittelwert für Nordwest- und Mitteleuropa. Ihr eigener Installateur rechnet mit der tatsächlichen Ausrichtung, Neigung und lokalen Einstrahlung Ihres Dachs — nutzen Sie dies also als Ausgangspunkt, nicht als endgültige Antwort.
Eigenverbrauchs- und Amortisationsrechner
Illustrativ, basierend auf Ihren eigenen Zahlen — kein Angebot, kein Versprechen
Geschätzter Eigenverbrauch
52%
Geschätzte Ersparnis pro Jahr
€3.309
Einfache Amortisationszeit
7,3 Jahre
So setzt sich diese Zahl zusammen
- Geschätzte Jahresproduktion
- 19.000 kWh
- Selbst verbraucht (zum vollen Preis)
- 9.859 kWh
- Eingespeist (zum Einspeisetarif)
- 9.141 kWh
Ändern Sie nur das Servicemodell bei sonst gleichen Zahlen, und die Lücke im Eigenverbrauch zwischen „nur Mittag“ und „nur Abend“ wächst schnell auf 40 bis 50 Prozentpunkte — ohne dass ein einziges Modul dazukommt oder wegfällt. Genau das ist der Hebel, um den es auf dieser Seite geht, und genau das ist das Gespräch, das Sie vor der Unterschrift mit Ihrem Installateur führen sollten: nicht „wie viele Module passen aufs Dach“, sondern „wie viel dieser Produktion nimmt meine Küche tatsächlich auf, gegeben meine Öffnungszeiten“.
Was den Rest Ihrer Amortisation bestimmt
Förderungen und steuerliche Unterstützung
Die meisten EU-Mitgliedstaaten behandeln ein Restaurant steuerlich anders als ein Privathaushalt — mal günstiger (Investitionsabzug, beschleunigte Abschreibung), mal fällt es aus einer Regelung heraus, die ausschließlich für Haushalte gilt. Förderprogramme ändern sich zudem ständig und unterscheiden sich stark je nach Region, Bundesland und Gemeinde. Fragen Sie dies explizit bei Ihrem Installateur oder Steuerberater nach, bevor Sie rechnen, und rechnen Sie eine Förderung niemals vorab in Ihre Zahlen ein, ohne sie schriftlich bestätigt zu haben — eine Regelung, die heute existiert, kann bei Baubeginn schon geändert sein. Unser Leitfaden zu Förderungen für Ihren Betrieb zeigt, wie Sie solche Programme systematisch aufspüren.
Moduldegradation: rechnen Sie mit weniger als dem Ertrag im ersten Jahr
Solarmodule liefern mit den Jahren allmählich etwas weniger — als Richtwert gilt in der Branche meist ein Produktionsverlust von rund 0,5 % pro Jahr. Über 25 Jahre bedeutet das: Ein Modul, das bei 100 % startet, erreicht noch etwa 88 % seiner ursprünglichen Leistung. Für Ihre Amortisationszeit macht das kaum einen Unterschied — die Produktion bleibt in den ersten acht bis zehn Jahren, in denen sich die meisten Anlagen amortisieren, nahezu intakt —, aber für eine Langzeitprognose über 20 bis 25 Jahre gehört dieser Rückgang in die Rechnung.
Ausrichtung und Verschattung durch ein höheres Nachbargebäude
Ein flaches, freies, nach Süden ausgerichtetes Dach ist der Idealfall, und dieser Idealfall ist in einer Innenstadt selten. Ein höheres Nachbargebäude, ein Schornstein, eine Werbetafel oder schlicht eine Ost-West- statt Südausrichtung kann den Ertrag derselben Modulanzahl um mehrere Dutzend Prozent verändern. Fragen Sie Ihren Installateur immer nach einer stündlichen Produktionsprognose für Ihr konkretes Dach — eine Jahressumme verbirgt genau die Form der Kurve, um die es auf dieser ganzen Seite geht.
Wann es sich ehrlich gesagt nicht lohnt
Ein kleiner reiner Abendbetrieb mit einem Mietvertrag von drei bis fünf Jahren, wenig eigener Dachfläche und einer Anlage, die erst nach acht bis zehn Jahren die Gewinnschwelle erreicht, ist der Fall, in dem sich Solaranlagen häufig nicht lohnen — nicht weil die Technik versagt, sondern weil der Horizont zu kurz ist, um die Investition zu tragen. Ein Eigentümer-Betreiber mit langfristigem Mietvertrag oder eigenem Gebäude, oder ein Mittags- und Ganztagsbetrieb mit starker Mittagsspitze, steht auf der anderen Seite derselben Rechnung. Kennen Sie Ihren eigenen Horizont, bevor Sie etwas unterschreiben.
Ihr Aktionsplan für das Gespräch mit Ihrem Installateur
Sie müssen nicht alles auf einmal klären. Vier Schritte, in dieser Reihenfolge:
- Fragen Sie nach einer stündlichen Produktionsprognose, nicht nach einer Jahressumme. Ein Angebot mit nur einer Jahreszahl verbirgt genau die Form der Kurve, um die es auf dieser Seite geht. Fragen Sie explizit nach der erwarteten Produktion pro Stunde für einen typischen Sommer- und einen typischen Wintertag.
- Holen Sie sich Ihr eigenes stündliches Verbrauchsprofil bei Ihrem Energielieferanten. Ihr digitaler Zähler zeichnet das bereits auf — fragen Sie nach den Intervalldaten statt nach einer geschätzten Jahressumme, und legen Sie sie neben die Produktionsprognose aus Schritt 1.
- Rechnen Sie Eigenverbrauch und Amortisation mit dem Rechner oben durch, mit Ihrem eigenen Servicemodell, Ihrer tatsächlichen Anlagengröße und Ihren aktuellen Strompreisen — nicht mit den Standardwerten.
- Kalkulieren Sie einen Speicher erst nach dieser Übung, nie davor. Sobald Sie wissen, wie viel Solarenergie Sie ohne Speicher bereits selbst verbrauchen, wissen Sie genau, was ein Speicher zusätzlich leisten müsste, um sich zu amortisieren.
Fazit: nicht das Dach entscheidet, sondern Ihre Öffnungszeiten
Zwei identische Angebote auf zwei identischen Dächern können bei der Amortisationszeit um Jahre auseinanderliegen, und der Unterschied liegt nie auf dem Dach. Er liegt in der Antwort auf eine einzige Frage: Wie viel dieser Produktion verbraucht Ihre Küche tatsächlich in dem Moment, in dem sie entsteht? Für einen Mittags- oder Ganztagsbetrieb fällt diese Antwort meist günstig aus. Für einen Abendbetrieb hängt sie von Ihrem Kühlungssockel, Ihrem Mietvertragshorizont und der Einspeisevergütung ab, die Ihr Land noch bietet — und Letztere schrumpft fast überall weiter.
Bei HappyChef dreht sich alles um den Blick auf Ihre eigenen Zahlen, ob bei Gästen oder bei Energie: ein provisionsfreies Reservierungssystem, das Ihnen genau zeigt, wann Ihr Restaurant voll ist — und damit, wann Ihre Küche am meisten zieht. Lesen Sie auch unseren Leitfaden zum Senken der Energiekosten oder testen Sie HappyChef 30 Tage kostenlos.